2012
 
„Wenn Wolfi die Zähne zeigt“

Kabarettist Sigi Zimmerschied gastierte bei den Kom(m)Postlern
 

Das wagen nicht viele Kabarettisten: Sigi Zimmerschied lässt sein Publikum fast 40 Minuten mehr oder minder im Dunkeln, denn im ersten Teil bleiben im ausverkauften Postsaal den Zuschauern inhaltlich mehr Fragen als Antworten: Wer ist der Fahrer der Aktenvernichtungsfirma eigentlich? Wo befindet sich Adalbert Stauber - im Himmel oder in der Hölle oder doch im Arsch von Ackermann? Und wer ist „Wolfi“ wirklich? Der Dialog im Dunkeln wirkt zunächst für die Besucher verwirrend, doch nach der Pause mündet die ab-struse Story vom Aktenvernichter „Wolfi“, der mit dem Material (Sparbuch, kirchliche Missbrauchsopfer-Akten...) seine Mitmenschen in der Hand hat, in das von Sigi Zimmerschied gewohnte Pointenfeuerwerk. Harmonisch sind die Übergänge: hier Adalbert, dort der Taxifahrer und schließlich der Kabarettist Sigi Zimmerschied, der nebenbei den Ex-Bundespräsidenten verbal ohrfeigt. Gratler, Nazis, Bänker, Kirche, … schließlich sogar die Facebook-Kritik: „Was nutzt dem Depp des Gigabyte, wenn‘s oben in der Birne feit“. Ein weißes Blatt kommt übrigens nicht in den Reißwolf: Es beinhaltet den selbst geschriebenen Teil der Guttenbergschen Doktorarbeit.


Sigi Zimmerschied in Aktion.

Gründlich, rasant, brillant böse in der bitteren, gesellschaftskritischen Analyse, kreativ und spontan im Gespräch mit Zuschauern aus der ersten Reihe. Was nimmt der Zuschauer mit: „Ein kleiner Wiki leakt in jedem von uns!“. Kabarett auf der Postbühne - wieder einmal anspruchsvoll und unter die Haut gehend.
Wolfgang Trende, Ehrenvorstand der Kom(m)Postler, bedankte sich bei dem Künstler für seinen gewagten, einzigartig-eigenwilligen und gehaltvollen Theatermonolog.
Wer gastiert als Nächster im Herbst auf der Kom(m)Postlerbühne? Mit Wilfried Schmickler (er erhielt den Salzburger-Stier-Kabarettpreis, den Oscar unter den Kabarettpreisen), dem „Zwangs-Ensemble“ (Claus von Wagner, Mathias Tretter und Philipp Weber), Dieter Hildebrandt mit Hans Well (ein Drittel der Biermösl Blosn) sowie Andreas Giebel stehen die Kom(m)Postler zur Zeit in Kontakt


Ehrenvorstand Wolfgang Trende bedankte sich beim Künstler.

 

„Schmähschmelze“ exzellent präsentiert
Chansonkabarett-Abend mit dem österreichischen Liedermacher Tom Haydn ein voller Erfolg
 


Pointiert und stimmig begrüßte Ehrenvorstand Wolfgang Trende im gut besuchten Postsaal die Gäste zum Chansonkabarett-Abend mit dem österreichischen Liedermacher Tom Haydn. „Schmähschmelze“ heißt das neue Programm - ein passender Titel, wie sich im Verlauf des Abendprogramms herausstellen sollte, denn der „österreichische Schmäh“ wird weich und schmilzt tatsächlich. Tom Haydn singt sehr viel von sich selbst, von seiner Sicht auf die Welt, die Liebe und die Frauen - sozusagen eine authentisch-biographische Bestandsaufnahme, die das Publikum zunehmend mehr in ihren Bann zieht.
Tom Haydns offene Art, die leicht-
füßige Moderation, mit der er auf seine Lieder einstimmt, sein Charme und vor allem die Qualität seiner Lieder garantieren einen unterhaltsamen Abend mit Tiefgang. Mitten hinein ins pralle Leben zielt diese witzig-ironische Mischung aus Chanson und Kabarett, mit aktuellen Themen wie der Rap über Obama („No, wos kanna, der Obama - dees woas kanna“), sehr an Falco erinnernd. Beeindruckend auch das Nachspüren von Befindlichkeiten sowie die Mann-Frau-Beziehungen: Während sie mit ihrem erfüllten Weihnachtswunsch, einer Kettensäge, im Wald die Bäume umschneidet, geht er „shoppen“. Man muss nur in der Früh den „richtigen Koffer“ erwischen, den schwarzen Koffer (stellvertretend für Schwermut, Ärger, Angst, …) oder den weißen Koffer (versehen mit Hoffnung, Zuversicht und optimistischer Gestimmtheit).
Der „berühmte Schmäh“ ging Tom Haydn so leicht und locker über die Lippen wie die zärtlichen Liebeslieder. Es sind die vielen Zwischentöne, die die Chansons so ergreifend machen. Und dazu die zauberhafte, stimmige Begleitung durch sein „Orchester“ - Norbert Nagel (Keyboard, Saxophon, Bassklarinette) und Andreas Blüml (Gitarre). Ein jeder Besucher hatte an diesem Abend sein persönliches Lieblingslied und man spürte im Postsaal die Botschaft des Künstlers, worauf es im Leben wirklich ankommt: Der Verstand mag wichtig sein, aber das Herz entscheidet darüber, was und wie das Leben ist. Selten fühlten sich Publikum, Künstler und die Kom(m)Postler an einem Gastspielabend als eine derartige Einheit. So gab es am Ende Lob von allen Seiten, die Kom(m)Postler-Geschenke für die Künstler wirkten von Herzen kommend und erwärmend.
Begeisterter Applaus für einen unvergesslichen Abend, von dem die Besucher, die Künstler und besonders die Kom(m)Postlerin Maria Trende, die an diesem Abend noch in einen „runden Geburtstag hineinfeierte“, lange schwärmen werden.



 

 

 

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