2008
„Warum war Jesus nicht rechtsschutzversichert?“
 
Werner Koczwara schlug in seinem Programm
einen Bogen von den Zehn Geboten zum Strafgesetzbuch
 

(mt) „Extraklasse“, „zwerchfellerschütternd“, „brillant“, „hochintelligent“, „zum Totlachen“, „ein Meisterwerk“. Wenn ein Künstler von renommierten Medien mit derartigen Vorschusslorbeeren bedacht wird, erwartet einen sicher eine Kabarettgröße wie Dieter Hildebrandt, der vor einigen Monaten ebenfalls im Postsaal von Frontenhausen zu Gast war. Wenn man jedoch erfährt, dass die Lobeshymnen über Werner Koczwara abgegeben wurden, können zunächst nicht so viele Menschen etwas mit diesem Namen anfangen. Wer am vergangenen Samstag im Postsaal anwesend war, konnte schnell feststellen, warum sich die Kritiker fast vor Begeisterung überschlagen.

(Schwer zu tragen hatte Werner Koczwara am vergangenen Samstag an der Lektüre seines Auftritts)
In seinem eineinhalbstündigen Programm sprang Koczwara von der Genesis über aktuelle Urteile bis hin zu den unverständlichen Texten in deutschen Gesetzessammlungen. 2385 Gramm wiege der auf dünnem Papier bedruckte Schönfelder, das Standardwerk der deutschen Juristen. Das darin offenbar das Alphabet mit einem Labyrinth gekreuzt wurde, werde jedem Leser bei bestimmten Passagen klar. Dass man mit dem Begriff „Rechtsträger“ auch etwas anderes assoziiere als trockene Juristerei, rief bei den Besuchern große Erheiterung hervor.
Zu Lachen gab es an diesem Abend im Postsaal jede Menge. Besonders spannend wurde es dann bei den Paragraphen 211 und 212 im Strafgesetzbuch. „Mord und Totschlag hätten zwar für das Opfer das gleiche Ergebnis, aber für den Täter liegen darin mehrere Jahre Unterschied in der Haftstrafe.“ Mische eine Frau ihrem Mann Gift in die Suppe, müsse unterschieden werden, ob diese geschmeckt hat. Habe sie geschmeckt, wäre es Heimtücke und damit Mord. „Im Falle, dass die Suppe dem Opfer nicht gemundet hat, sind für diesen gleich drei Unglücke zusammengetroffen: Erstens hat die Suppe nicht geschmeckt, zweitens ist man tot und der Täter kommt auch nicht mit einer geringeren Strafe davon.“ Auch aktuelle Urteile von bundesdeutschen Gerichten riefen beim Publikum wahre Lachsalven hervor: Der Einsatz eines Hosengürtels etwa könne zur Fixierung zweier Einzelbetten im Urlaub von Richtern angemahnt werden.
Besonders heiter wurde es, wenn sich der Künstler kurz von den juristischen Feldern entfernte und aus seinem (fiktiven) Leben berichtete. Den Kom(m)postlern ist mit Werner Koczwara jedenfalls wieder ein besonderer, „juristischer“ Coup gelungen.

Einen mit „guten Prozenten“ gefüllten Geschenkkorb überreichten Markus Renkl und Jochen Berger von den Kom(m)postlern.


"Altmeister" des Kabaretts begeisterte im Postsaal

23.02.2008 Dieter Hildebrandt folgte der Einladung der Kom(m)postler bereits zum 4. Mal

Er ist bereits ein altbekannter Gast im Postsaal in Frontenhausen: Der Kabarettist Dieter Hildebrandt. Bereits zum vierten Mal brachte er das Publikum zum Lachen. Er las aus seinem Buch „Nie wieder achtzig“. Aber auch die aktuellen Ereignisse griff er wortgewandt auf und blieb seinem Ruf als, wie einige sagen, besten und bekanntesten deutschsprachigen Kabarettisten treu.

Durch Wolfgang Trende von den Kom(m)postlern angekündigt, trat Hildebrandt von viel Beifall begleitet auf die Bühne. Ohne sich lange mit Vorreden aufzuhalten, griff er das aktuelle Geschehen um versteckte Milliarden auf: „Wenn alle Vermögenden zu ihrem Geld ziehen wollen, wird es in Liechtenstein ganz schön eng“, warnte er den Alpenstaat. Aber auch die Finanzkrise der Banken, insbesondere der BayernLB, blieb nicht unerwähnt. Besonders der bayerische Finanzminister stand auf der verbalen Abschussliste Dieter Hildebrandts. Und auch mit den Fähigkeiten der Manager ging er hart ins Gericht: „Auf Privatuniversitäten werden die zukünftigen Manager wie edler Wein in Flaschen auf ihren Beruf vorbereitet. Langsam habe ich aber den Verdacht, sie sind die Flaschen.“
Der Meister der doppelten Pointe spielte auch auf sein fortgeschrittenes Alter an. Aber bis Frontenhausen, so Hildebrandt, schaffe er es immer noch. Auch der derben Art war der Kabarettist nicht abgeneigt. Vom Ar(s)chetyp über Bahnchef Bläh(Meh)dorn zogen sich deftige Wortspiele durch das Programm. Nach etlichen Hinweisen: „Ich lese gleich“, folgten tatsächlich Auszüge aus seinem derzeitigen Werk „Nie wieder achtzig“. Von verwirrenden Klassentreffen über komplexe Computertechnik bis zu den überhand nehmenden Beratern in allen Bereichen der Wirtschaft und der Politik spannte er den Bogen.
Mit den Worten: „Wenn das Klatschen nach dem Auftritt rhythmisch wird, muss man eine Zugabe geben“, begann er eine von zwei „Zuckerl“ für das begeisterte Publikum. „80 Jahre zu leben, ohne in Bayern etwas geworden zu sein, ist schon bemerkenswert“, so Hildebrandt über sich selbst. Wer ihn sehen durfte, kann aber zurecht behaupten: Dieser Mann hat in seinem Leben unendlich viel erreicht.

 

„Manchmal habe ich Angst um unsere Demokratie“

Dieter Hildebrandt im Interview mit dem „Vilstalboten“

 

Im Rahmen seines Auftrittes in Frontenhausen führte der Vilstalbote ein Interview mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt:

Vilstalbote: Sie sind bereits zum vierten Mal in Frontenhausen. Was gefällt Ihnen an diesem Markt?

Dieter Hildebrandt: Leider habe ich noch nicht viel vom Ort selbst gesehen, da ich immer gleich weiterfahre. Aber der Parkplatz, ... äh, Marktplatz ist sehr schön, weil man immer einen Parkplatz findet. Allerdings bin ich gerne hier, weil der Postsaal einen alten Charme besitzt und das Publikum sehr treu ist.

Vilstalbote: Fehlt Ihnen eigentlich die „große Bühne“ Fernsehen?

Hildebrandt: Nein, das habe ich lange genug gehabt. Ich verdanke diesem Medium sehr viel und hatte eine schöne Zeit beim BR und eine hervorragende Zeit beim SFB. Dass ich jetzt bei meinen Auftritten so erfolgreich bin, ist auf meine Popularität durch die Fernsehauftritte zurückzuführen.

Vilstalbote: Wo sehen Sie die deutlichsten Unterschiede zwischen Ihnen und jüngeren Kabarettisten?

Hildebrandt: Ehrlich gesagt, ich bekomme nur selten Auftritte anderer Kabarettisten mit. Ich bin jeden zweiten Tag selbst auf der Bühne und habe somit nicht die Zeit, mir viele andere Auftritte anzusehen. Es gibt aber einige sehr vielversprechende junge Künstler. Besonders wichtig ist, dass diese die nötige Unterstützung von den Fernsehsendern erhalten.

Vilstalbote: Was hat Sie in Ihrem Leben am stärksten geprägt?

Hildebrandt: Mein Beruf! Und Deutschland. Aber auch der Kampf um die Demokratie, denn sie funktioniert letztendlich doch. Manchmal habe ich Angst um unsere Demokratie. Und ich versuche meinen Beitrag für deren Erhalt zu leisten.

Vilstalbote: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Hildebrandt: Ich gebe in diesem Jahr 120 Vorstellungen in allen Teilen des Landes. Im Dezember werde ich außerdem im Fernsehen zu sehen sein. Ich plane aber kein neues Buch oder einen neuen Film. Zur Zeit bin ich als Reisender unterwegs und damit sehr zufrieden.

Vilstalbote: Vielen Dank für das Interview.

 


18.04.2008 „Alles das und mehr“ bot Konstantin Wecker im Postsaal

 

Zahlreiche Fans begeistert vom Auftritt zusammen mit Jo Barnikel

 

(mt) „Hier hatte er gestanden vor zehn Jahren“, so Wolfgang Trende von den Kom(m)postlern, „als er gesagt hatte, er komme wieder.“ Er, das ist Liedermacher Konstantin Wecker. Und am vergangenen Freitag hat der prominente Künstler sein Versprechen wahr gemacht.

Dem Ruf in den Frontenhausener Postsaal folgten viele Wecker-Fans. Auffallend dabei, dass das Alter der Fans weit gestreut war - ein Zeichen dafür, dass die Arbeit Konstantin Weckers Generationen übergreifend Zustimmung findet.

Begleitet wurde Konstantin Wecker von Jo Barnikel, der bereits früher mit ihm zusammen arbeitete, am Keyboard. Die beiden reisten musikalisch durch das Leben Weckers mit all seinen Höhen und Tiefen. Von seiner jugendlichen Sehnsucht nach Italien über seine Bundeswehr-Erfahrungen und seine erste Platte „Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker“ bis zu dem Punkt, der Wecker von einem bekannten zu einem prominenten Künstler machte: Die Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Kokainkonsums. Aber Wecker hat diesen Abschnitt seines Lebens hinter sich gelassen. Allerdings nicht vergessen. In seinem Programm setzte er sich kritisch mit Staatsanwaltschaft und Richtern auseinander. Dass er über seine bewegte Vergangenheit auch lachen kann, zeigte sich, als im Saal ein Martinshorn zu hören war: Wecker faltete die Arme übereinander und deutete das Abführen durch die Polizei an.

Musikalisch zeigte er sein ganzes Können. Mal leise einfühlend, mal laut herausschreiend: Dieser beeindruckende Wechsel stellte kein Problem für den bereits 60-Jährigen dar. Die Fans im Saal hingen an seinen Lippen und feierten ihren Star schließlich mit stehenden Ovationen. Und ließen ihn nicht eher gehen, bis er mehrere Zugaben gegeben hatte. Und wie er hervorhob, ist sein Publikum ein intelligentes Publikum. „Schließlich mag es meine Lieder“, stellte Wecker klar.

Die Kom(m)postler bedankten sich bei Konstantin Wecker und Jo Barnikel mit einem kleinen Geschenk für den überwältigenden Auftritt im Frontenhausener Postsaal.

 

 

 

 

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