2005
Hintersinnig, geistreich, witzig und auch mal romantisch

Liedermacher Tom Haydn zauberte Wiener Charme in den Postsaal


Jedes seiner Lieder ist anders, mal witzig, mal hintersinnig, mal romantisch, mal ein Tango, mal ein Blues - und doch ergeben alle zusammen ein harmonisches Ganzes. Tom Haydn, österreichischer Liedermacher mit Wohnsitz in Bayern, verzauberte das Publikum im Frontenhausener Postsaal. Und damit konnten die Kom(m)Postler ihrer Liste an Höhepunkten wieder eine erfolgreiche Veranstaltung hinzufügen.

Ja, dem österreichischen Charme und spitzbübischem Witz - dem erliegt man in Niederbayern schnell. Schon 2001 hatte Tom Haydn im Postsaal alle Gäste begeistert, nun waren noch mehr Besucher gekommen, und wieder waren alle fasziniert. Tom Haydn - ein hervorragender Sänger und ebenso guter Gitarrist - hatte zwei top Musiker mitgebracht, die ihn unaufdringlich, doch perfekt und mit sichtlicher, spürbarer Freude begleiteten: Jo Barnikel am Flügel und Norbert Nagel mit Klarinette, Querflöte.

Die Themenvielfalt in den Liedern Tom Haydns sind so vielfältig wie das Leben. Da nimmt er das Finanzamt auf die Schippe im flotten Song „Frühling bei Frau Schneider“, indem er sich nackten Tatsachen stellt (“Frau Schneider ohne Kleider ... so verkehr ich mit Frau Schneider, denn das lohnt sich unterm Strich...“). Da wird's dann schon kabarettistisch.

Ebenso ironisch verarbeitete er im Song „Elke“ das Leben einer erfolgreichen Karrierefrau ( - erfolgreich, aber einsam).

Auch romantische Balladen gehören zum Repertoire von Tom Haydn und damit zauberte er eine wunderschöne Atmosphäre in den Saal - mit dem Refrain „wann's jetzt net bald Sommer wird, kann's sein, dass mir mein Herz verbrennt“ sprach er sicher allen Zuhörern aus dem Herzen und die weich fließende, eingängige Melodie brachte die Herzen zum Schmelzen.

Elektrisierend war der Blues „A Wahnsinn“, mit tollen Soli der beiden Musiker Jo und Norbert - da gab's jede Menge Applaus. Rockig wurde es beim Thema „Kabel TV“ und fetzig beim „Handyman“ - da klatschte und sang das Publikum begeistert mit. Tom Haydn hatte bekannte, „alte“ Lieder dabei, doch auch vier brandneue von seiner aktuellen CD-Produktion und einige Songs von André Heller.

Die Überleitungen zwischen den Songs brachte er oft bissig-kabarettistisch, auch mal ruhiger, doch immer mit seinem typisch österreichischem Charme.

Nicht nur das Publikum war begeistert, auch die Kom(m)Postler, und so erhielt Tom Haydn zum Schluss die Auszeichnung „Vilslaus“ überreicht.

Ein kurzweiliger Abend, nach dem sich alle Besucher einig waren: Tom Haydn darf gerne wieder vorbei schauen, im Frontenhausener Postsaal.

Vereinsausflug nach Passau
Am 22.April stand der „Vereinsausflug“ nach Passau auf der Tagesordnung. Dort erlebten die Kom(m)Postler Georg Schramm mit seinem Soloprogramm „Thomas Bernhard hätte geschossen“. Schon sehr beeindruckt waren die Vereinsmitglieder und stolz zugleich, denn mit diesem Programm gastiert der inzwischen zum „Super-Kabarettisten“ aufgestiegene Künstler am 9. November 2005 im Frontenhausener Postsaal. Wieder mal eine besondere Leistung der Kom(m)Postler, einen Kabarettisten von dieser Klasse zu einem Gatspiel in Frontenhausen zu überreden. Nach der Veranstaltung hatten die Kom(m)Postler Gelegenheit zu einem kurzen Gedankenaustausch mit Georg Schramm.

Georg Schramm privat inmitten der Kom(m)Postler

Feiert ein Kom(m)Postler einen „runden Geburtstag“, so sind die Vereinsmitglieder nur zu gerne bereit, mit einem personenspezifischen Beitrag den Jubilar zu ehren. Dies gelang auch dieses Mal in sehr beeindruckender Weise mit dem märchenhaften Schattenspiel „Hans im Glück“. Hans Unterholzer und die anwesenden Geburtstagsgäste staunten über das eindrucksvolle Schauspiel, das ihnen die Kom(m)Postler boten.

Schattenspiel "Hans im Glück"   Schattenspiel "Hans im Glück"
Jubilar Hans Unterholzer und die "Kom(m)Postler-Schattenspieler"

Ein turbulenter, aber erfreulich kabarettistisch-knackiger Jahresabschnitt geht zu Ende. Viel an Zeit und Kraft haben die Kom(m)Postler für ihre Gastspielorganisation investiert und es hat sich wieder mal gelohnt – für die Zuschauer, die Künstler und die Kom(m)Postler selbst. Begrifflichkeiten, wie sonst eigentlich nur bei Weinproben üblich, finden bezüglich der Kabarettabende im Postsaal Erwähnung: „Vollmundig, kräftig, nachhaltig, verspielt, ....“

Einen solchen Abend (9.November!) nennt man wohl historisch, aus vielerlei Blickwinkeln betrachtet. Schramm offenbarte in seinem Soloprogramm politisches Kabarett wie es politischer nicht sein könnte. Ein Auftritt von dieser Präzision ist in jeder Hinsicht ein Ereignis. Der Künstler wurde seinem Ruf, einer der kompromisslosesten Satiriker des deutschsprachigen Kabaretts zu sein, in besonderer Weise gerecht. Aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtete er hintergründig, pointiert und scharfzüngig die gesellschaftlichen und politischen Zustände des Landes. Seine Bühnenfiguren sind keine billigen Karikaturen, sondern entlarvende Charakterstudien. Nur zu Recht wurde Georg Schramm die „Kom(m)Postler Vilslaus“, ein inzwischen gefragter Kabarettpreis, verliehen. Nicht nur die Verleihung dieser Auszeichnung war ein Grund für ein langes, sehr langes Beisammensein von Künstler und Kom(m)Postler.
Abschiedsworte von Georg Schramm: “Ich komme wieder, auch bei nur 8 Beleuchtungskörper!“

Georg Schramm   Georg Schramm
Kom(m)Poster Vilslaus

Aprospos Kleinkunstpreise: Bei einer Scheibenwischer-Fernsehsendung fand die
„Kom(m)Postler-Vilslaus“ durch Bruno Jonas mehrfach Erwähnung, obwohl sich inzwischen in der Szene ein Kabarettpreis an den anderen reiht: Wie schön für die Kom(m)Postler, dass das „Scharfrichterbeil“ beiseite geschoben, nicht einmal an dem „Leipziger Löwenzahn“ geknabbert, die „Ingberter Pfanne“ nicht mit dem „Stuttgarter Besen“ gesäubert, sondern nach der bissigen „Kom(m)Postler Vilslaus“ im „Scheibenwischer“ gegriffen wurde. Anerkennung für den hiesigen Kabarettverein auf besondere Art und Weise!


2004 - 2006