2004

Frontenhausen – ein Marktflecken als Satirehochburg – so wird die Kabarettbühne der Kom(m)-Postler vielfach von Künstlern und Agenturen betitelt. Es macht die 13 Mitglieder des Kulturvereins schon stolz, dass sie überregional ein derartiges Echo für ihr Wirken erhalten. Doch wissen die Aktiven um Wolfgang Trende, dass sie den Erfolg auch und vor allem dem ausgezeichneten Publikum, den Kabarettisten, der Lokalpresse und verlässlichen Helfern verdanken. Die Kom(m)Postlerbühne sollte so eine Art „geistig-moralische Wiederaufbereitungsanlage“ werden – und wurde es irgendwie auch. „Wellness für Hirn und Zwerchfell!“ So manche Sternstunde der Kleinkunst haben Gastgeber, Künstler und Besucher auf der Bühne im Postsaal erlebt. Ausgedachtes wurde bestens präsentiert, viele Besucher haben sich im wahrsten Sinne des Wortes ausgelacht – bis keine Lachträne mehr kommen konnte!

Nur mal so, genauer gesagt zu einem informativen und humorvollen Gedankenaustausch trafen sich im Februar Landrat Heinrich Trapp und die Kom(m)Postler. Ein spielerisch-heiterer Abend, bei dem so manches Kreuzchen Anlass zur Heiterkeit gab.


H. Trapp bei den geselligen Kom(m)Postlern

„Wer nicht an seine Zukunft denkt, wird keine haben.“ Mit diesem Spruch des Tages begrüßte 1.Vorstand Wolfgang Trende 92 Prozent der Mitglieder zur Jahreshauptver-sammlung, in deren Rahmen „Alt-Wahlen“ mit akzentuierten Verschiebungen“ unter Leitung von Josef Niedermeier durchgeführt wurden. Fazit: „Es blieb Alles beim Alten“ – wie immer man diesen Ausspruch (betont) lesen und verstehen mag.



"Feuerwerk an Pointen abgeschossen"

Kabarettist Richard Rogler begeisterte das Publikum
im ausverkauften Postsaal in Frontenhausen

Ein unvergessenes Gastspiel gab es am 28.Juni 2004, als Richard Rogler alias Camphausen im Postsaal zum ersten Male gastierte. Mit seinem Soloprogramm „Anfang offen“ zeigte Rogler, warum er zur Spitze des politischen Kabaretts in Deutschland gehört. Mit grandioser Gestik und Mimik agierte der Schnellsprecher „ zwerchfellbelastend“ auf der Kom(m)Postler–Bühne.Ob er im trauten Heim allein mit dem Wischmob die Putzhilfe mimt und ruckzuck die Bühne säubert oder von seinen Abenteuern mit der Männergruppe „Kleeblatt“ erzählt – Vielen gerbt er dabei tüchtig das Fell. Da kann Gerhard Schröder noch so lange im Kanzleramt rufen „ich will da raus“, Camphausen beschert ihm die verbale Quittung für 6 Jahre Reformen. R.Rogler u.a. zu Kanzler Schröder: „Der soll erstmal
e i n e n klaren Gedanken fassen.“ Joschka Fischers Leben wird von Hollywood verfilmt oder der betuchte Bürger, der sich bei einer Dorade von „seinem Italiener“ übers Ohr hauen lässt – nichts entgeht Roglers bissiger Ironie!


Wahnsinn und Richard Rogler gehören zusammen, machte Wolfgang Trende dem schon sehr gespannten Publikum am Montag Abend deutlich. Namens der Kom(m)Postler hatte Trende die vielen Besucher im Frontenhausener Postsaal begrüßt. In seiner unnachahmlichen, rhetorisch brillanten Art leitete Trende zum Auftritt des Hochkaräters des Kabaretts über, der nach Berlin, Köln, Bonn und München nun Station im Vilstal machte. Trende versprach: Sie werden sich junglachen - und genau dies war der Fall.
Richard Rogler schoss zwei Stunden lang ein Feuerwerk an Pointen ab. Als Kamphausen brachte er das Leben in der Rolle des Hausmanns auf den Punkt, natürlich deutlich überspitzt, doch aus dem Alltag gegriffen. Im Publikum wurden Tränen gelacht bei der Persiflage auf das perfekte Wischen des Bodens.
Munter hüpfte Richard Rogler alias Kamphausen zwischen seinen verschiedenen Stationen hin und her - als Hausmann, als Geschäftsmann, als Noch-Ehemann. Die Anfrage der SPD, ob ihm denn noch Steuern einfallen könnten, die Eichel entgangen sind, ließ ihn zur Höchstform auflaufen: Zebrastreifen-überquerungs-Steuer (damit könnten auch die Grünen einverstanden sein ...) und ein Kassenautomat, damit die Ampel auf Grün schaltet, gehörten zu den bizarren Ideen.
Eine Breitseite bekamen nicht nur Eichel und Struck ab, sondern auch Angela Merkel. Wäre sie Kanzlerin, sinnierte Rogler, würde die Türkei in die EU aufgenommen werden, dafür Bayern hinaus geschmissen.
Aus dem Lachen nicht mehr heraus kam das Publikum überdies bei der finktiven Verfilmung von Joschka Fischers Leben, vor allem mit der hintersinningen Besetzung der Rollen (Leonardo di Caprio als Genscher ...).
Auch die deutschen Rentner nahm Rogler auf`s Korn, die ihm eindeutig als zu fit und zu reisefreudig daher kamen: Früher hat man sich mit 65 vom Acker gemacht...
Noch viele, viele andere aktuelle Themen nahm Richard Rogler auf`s Korn und ließ das Publikum keine Sekunde zur Ruhe kommen.
Die Kom(m)Postler hatten damit für ein weiteres kabarettistisches Highlight im Vilstal gesorgt. Nach der Sommerpause geht es gleich weiter: Mit Piano Paul!


Richard Rogler als perfekte Reinigungskraft


Richard Rogler und W. Trende - freudig geschafft                                    Still-Leben - Geschenke für R. Rogler und Gegengeschenk

„Wer im Postsaal auftritt, ist unser Gast“. Das ist das Motto der Kom(m)Postler, so dass es nicht von ungefähr kommt, dass die Künstler, ob sehr namhaft oder noch nicht, nur zu gerne nach Frontenhausen reisen. Rundumbetreuung durch die Kom(m)Postler ist den Künstlern sicher und bereitet nebenbei bemerkt den Kom(m)Postlern auch sichtlich Freude.

Beinahe ungestört und unerkannt konnte Richard Rogler am 29.Juni 2004 sein Frühstück im „Steh-Cafe Schleich“ zu sich nehmen. Von dem Künstler nahm keiner Notiz. Stimmt nicht ganz! Ein Dortmunder auf der Durchreise, mal schnell einen Kaffee zu sich nehmen wollend, erkannte den Künstler Richard Rogler und war sehr erstaunt, ihn in Frontenhausen zu treffen. Man stelle sich nur vor, Daniel Küblböck hätte sich im Steh-Cafe aufgehalten! Fazit wäre: Wer Tief- oder Schwachsinn produziert, darf mit Aufmerksamkeit rechnen! Nichts wächst so schnell wie die Mittelmäßigkeit eines Volkes!

Kann man so nicht stehen lassen, denn auch das Gastspiel von Piano Paul im Herbst war relativ schnell ausverkauft. Es gibt noch das „Warten auf Niveau“, auch in Niederbayern!




Piano Paul traf ins Schwarze - nicht nur bei den Tasten

Piano Paul reiste etwas früher als geplant an, was ihm Stoff für die Eingangsworte am Kabarettabend bescheren sollte. Zunächst vor verschlossener Türe beim einzigen Hotel im Ort, machte sich der Künstler auf den Weg, ein Cafe ausfindig zu machen. Doch kein einziges war am Mittwoch um 16.00 Uhr geöffnet! So unternahm Piano Paul statt dessen eine Kurzbesichtung des Marktfleckens, dabei hatte es ihm vor allem die Aufschrift eines Hauses am Marktplatz angetan: „Jos. Aigner´s Witwe“. So eine Rarität der Bezeichnung findet man in ganz Deutschland nicht mehr. Die Hausinschrift zwingt zu Randbemerkungen bzgl. „neuer Rechtschreibung“. Schreibt man „Aigners Witwe“ oder „Aigner´s Witwe“? Mit Apostroph –S? Das „S“ gibt es nur noch mit Apostroph, ist aber immer falsch. Trotzdem lesen wir überall die Aufschriften „Gernot´s“ oder „Bio´s“ oder „.... .....`s“. Hauptsache ein Apostroh-S! Und schon taucht ein oft gehörtes Unwort vom „Neubeginn“ bzw.„Neu-anfang“auf. Gibt es einen Altanfang? Eben! Deutsch sein – aber nicht können. Wir brauchen keine neue Rechtschreibung. Die deutsch sind, aber nicht können, sollen erst mal die alte Rechtschreibung erlernen, damit sie überhaupt wissen, was bei der neuen anders ist. Neuanfang ... Neubeginn! Vor kurzem äußerten sich Geschäftsinhaber zu ihrem Neubeginn:“ Wir sind ja erst vor kurzem völlig neu angefangen“. Darauf ich:“ Ach so, das bin ich gar nicht gemerkt!“ Doch nun zurück zu Piano Pauls Gastspiel mit dem Titel:“Bach, Pisa, Pythagoras“. Das war die originellste Werbung für die Naturwissenschaften! Piano Paul demonstrierte geistreich und mit erfrischendem Witz, dass prickelnd-brillantes Denken sehr viel Spaß machen kann. Den Beweis lieferte er in seinen mathematisch-musikalisch verknüpften Beiträgen, die höchst unterhaltsam nie geahnte Tatsachen ergeben. Seine lehrreichen Vorträge, garniert mit stimmigen Pointen, ein köstlicher Dialog mit dem Publikum und die außergewöhnlichen pianistischen Darbietungen auf einem 90-jährigen Flügel garantierten einen großartigen Kabarettabend.

Zum Schluss soll ein Eintrag einer Besucherin in das Gästebuch der Kom(m)Postler als Beleg für die Wertschätzung, die dem Verein entgegengebracht wird, dienen:
„Liebe Kom(m)Postler, Kabarett vom Allerfeinsten im allerschönsten Saal weit und breit. Hier stimmt einfach alles, angefangen bereits im Vorverkauf. Nirgends erfährt man so viel Freundlichkeit. Nur schade, dass nicht öfter eine Veranstaltung stattfindet. Vielen Dank, Rosi Forster!“


2003 - 2005