2002



Liberte´, Egalite`, Cabaret (wie der Österreicher das Kabarett zu bezeichnen pflegt) - mit diesem oder ähnlichen Motto machte vor 11 Jahren eine kleine Gruppe von Fronten-hausnern ihre ersten Schritte in Richtung „Gegenkultur“. Das Kabarett bekam im Postsaal einen wunderbaren Rahmen und eine feste Bleibe für meist 3 Veranstaltungen pro Jahr.
Eine Plattform sollte das Kabarett erhalten (und erhielt es auch), das sich vom Gegenwarts-bezug nährt und nicht zur blutleeren Nockherberg-Nettigkeit verkommt, oder wie z.B. in Berlin die „Stachelschweine“, die arg- und harmlos kabarettmäßig deutlich auf den Hund gekommen sind. Das Adjektiv „nett“ ist für gutes Kabarett viel zu wenig. Und so wurde der Postsaal oft zum Refugium für ergänzendes, kritisches Denken (wenn auch in satirischer, heiterer Verpackung) und die auftretenden Künstler selbst offenbarten ihren Zorn, ihre analytische Genauigkeit und ihre einschneidende Schärfe, da sie dem Volk und seinen angeblich Regierenden aufs Maul schauen. Stellvertretend sei an dieser Stelle an die Gastspiele von Bruno Jonas, Volker Pispers, Konstantin Wecker und Dieter Hildebrandt erinnert.




Dieter Hildebrandts satirisches Feuerwerk im Postsaal


Wertschätzung, Verehrung und Lust auf verblüffende Pointen - so saßen im voll besetzten Postsaal die erwartungsfrohen Kabarettfreunde. Wolfgang Trende, Vorstand der Kom(m)Postler, erinnerte in seiner spritzigen Begrüßung an den Beginn der Lach & Schießgesellschaft und die damit beginnende Karriere des populärsten Kabarettisten Deutschlands. Dieser griff flexibel, wie er ist, die Gedanken an seine Anfänge auf und erzählte dem hellwachen Publikum u.a. die Geschichte, wie das Lach & Schießensemble mal vor 3 Leuten das Programm spielte.

Auch ließ er zur Freude der Kom(m)Postler wertschätzend anklingen, dass sein Auto inzwischen schon automatisch nach Frontenhausen führe, selbst dann, wenn er woanders ein Gastspiel hätte. Warum er immer wieder ein Buch schriebe? Das liege daran, dass W.Trende bei ihm wg. einer kabarettistischen Lesung alle 5 Jahre anriefe und er sich dann bemüßigt sähe, sofort mit dem Schreiben zu beginnen. Dieter Hildebrandt fühlt sich sichtlich wohl im Postsaal, schon so etwas wie Bühnenheimat.

Als dann noch ein "Fast-Scheibenwischer-Solo" über die Olympioniken folgte, tobte schon seine Fangemeinde. "Nur gut, dass "Johannes (Mühlegg), der Spanier, kein Deutscher ist" und "spannend war eigentlicht nur, hat sie/er gedopt oder nicht?" Nach einem Schlenkerer auf das inzwischen berüchtigte "Wolfratshausener Frühstück" startete Dieter Hildebrandt mit seiner Lesung.

Ein älteres Ehepaar, bezeichnenderweise Dieter und Renate, hat soz. mit Mephisto einen Pakt geschlossen, der Fernsehanstalt "Ora-TV". Und dieser Sender sorgt für eine gesicherte Zukunft, allerdings gehören die beiden ihm mit Haut und Haus, Gedanken und Gefühlen.

Die Zuschauer johlen vor Vergnügen, denn jede Pointe sitzt. So sprach auch am Schluss W. Trende den Besuchern aus der Seele, wenn er die Haltung des Kabarettisten während der letzten 50 Jahre und der viel zu schnell vergangenen unterhaltsamen Stunden im Postsaal würdigte: "In Deutschland gibt es niemanden, dessen Kritik über einen so langen Zeitraum gescheiter, ehrlicher und amüsanter wäre." Überhäuft mit lang anhaltendem Applaus, "Denkzetteln", italienischen Spezialitäten und einem traumhaften Blumenstrauß verabschiedete sich Dieter Hildebrandt von der Kom(m)Postler-Bühne.




Kulturpreis

Kulturförderpreis 2001 des Landkreises Dingolfing-Landau an die Kom(m)Postler


Am Montag, den 18.Februar 2002, erhielten die Kom(m)Postler den Kulturförderpreis 2001 in Würdigung der hervorragenden Verdienste um das kulturelle Leben im Landkreis.




Wenn sich Eissalat, Knödel und Schaschlik treffen ...

Kabarettist Helmut Schleich in Bestform im ausverkauften „Postsaal“ in Frontenhausen

Der Mann ist einfach gut! Er ist Kabarettist, Satiriker, Komiker und ein glänzender Schauspieler - kurzum, der perfekte Alleinunterhalter. Und das nicht auf einem Niveau „unter der Gürtellinie“ oder im Comedy-Milieu, sondern mit Tiefgang und „Biss“. Kein Wunder, dass er in den vergangenen Jahren reichlich Preise absahnte, wie den Bayerischen Kabarettpreis.

Helmut Schleich: Mit seinem Solo-Programm „Brauereifrei - der Rausch packt aus“ wusste er schon im Frontenhausener „Postsaal“ zu begeistern. Kein Wunder, dass sein zweiter Auftritt am Dienstagabend auch wieder ausverkauft war. Die Kom(m)Postler hatten es geschafft, den begehrten Kabarettisten erneut ins Vilstal zu holen.

Nach den alkoholischen Getränken, hatte Schleich diesmal die Gaumengenüsse im Auge, gemäß dem ironie-triefenden Motto „Das Auge isst man mit“. Da schlüpfte er im Minutentakt in jede Menge Rollen. Schimpfte als Adeliger, dass das „Volk“ heutzutage zu allen leiblichen Genüssen problemlos Zugang habe („Genuss als Statussymbol zur sozialen Abgrenzung nach unten“ gebe es nicht mehr); da trafen sich Eissalat, Knödel und Schaschlik, außerdem ein Müsliriegel im Magen, um - kurz vor der Verdauung - über die Essensgewohnheiten in der Gesellschaft zu philosophieren; da stellte er Bezüge her zwischen der Frühstücksmelodie im Radio und dem Frühstück, der Vorabendserie und dem Abendessen; da ließ er keinen Zweifel daran, dass ein Körper ohne Magen wie ein Bienenstock ohne Königin sei - da arbeitet nichts mehr.

Und er beneidete die Koralle, zu der die Nahrung hinfließt - während bei den Menschen der „Weg zu den Gaumenfreuden ein steiniger ist“. Zwischendurch eine brillante Parodie auf einen holländischen Showmaster - das Publikum brüllte vor Lachen.

Schleich ist eben mittlerweile eine Marke in der Kabarett-Szene. Und das stellte Helmut Schleich in Frontenhausen unter Beweis. Ein toller, amüsanter, unterhaltsamer Abend, der aber dennoch so manchen Anstoß gab zum Nachdenken, und so soll Kabarett ja sein. Da freut man sich auf den nächsten Abend mit den „Kom(m)Postlern“!



Wenn die Kom(m)Postler einen „Vereins-Ausflug“ machen, dann wird dieser immer zu einem besonderen Erlebnis. So auch am 30.Juni, als die Mitglieder nach München zum Tollwood-Festival fuhren. Vereinsausflug mit Künstlerkontaktpflege – das ist schon Standard. So traf man sich nach Willy Astors witzig-spritzigem Auftritt zu einem Plausch und Fototermin, ebenso nach einem grandiosen Konzert von Konstantin Wecker, der nur so von Kraft strotzt und nichts von seiner Wortgewalt eingebüßt hat. Es war ein Feuerwerk der Kleinkunst! Aprospos Feuerwerk – ein solch eindrucksvolle Feuerinszenierung hatten die Kom(m)Postler auch noch nie erlebt.



Eine besonders traurige Nachricht hatten die Kom(m)Postler zu verkraften. Mit Betroffenheit nahmen sie Kenntnis vom überraschenden Ableben des Kabarettisten Matthias Beltz. Er hatte vertraglich sein Kommen für den März 2003 bereits zugesagt und hätte mit seiner Art die „Dinge“ zu sehen und satirisch zu kommentieren für Furore im Postsaal gesorgt. Seine persönliche Widmung, die M.Beltz den beiden Kom(m)Postlern Alfred Wenzl und W.Trende im November 2001 in sein frisch veröffentliches Buch schrieb, nämlich „Bis bald!“, erfreute nicht nur die beiden sehr – bis zum 27.März 2002.
„Bis bald“ – nun hoffentlich doch nicht so schnell!