2001 - Highlights im Jubiläumsjahr


Fulminantes Jubiläum auf der Bühne im "Postsaal"

"Kom(m)Postler" feiern zehnjähriges Bestehen
mit Michi Altinger, Helmut Schleich, Luise Kinseher und den Giesinger Sautreibern

(he) Grund zum Feiern gab's am Mittwochabend im Frontenhausener "Postsaal" allemal. Da feierte zum einen der Kabarettverein "Kommpostler" sein zehnjähriges Bestehen - und das mit seiner 30. Veranstaltung. Zum anderen wurde eben dieser Jubiläums-Kommpostler-Abend ein herausragendes Highlight aller bisherigen Kabarettabende mit Stars, die einen Namen weit über Niederbayern hinaus haben: Michi Altinger, Helmut Schleich, Luise Kinseher und den Giesinger Sautreibern.

10 Jahre Kommpostler - dieses Jubiläum ließen anfangs Vorsitzender Wolfgang Trende und seine zwölf "Kommpostler"-Mitstreiter eindrucksvoll und bildhaft Revue passieren. Die Veranstaltungsposter aller bisherigen Auftritte wurden nochmal auf der Bühne präsentiert - kommentiert mit Erinnerungen Trendes an die jeweiligen Gastspiele.

Den Start ins Kabarettprogramm übernahm Michi Altinger - sofern man ihn ließ. Denn ein Zwischenrufer, der sich auch noch auf die Bühne drängte, spielte sich in den Vordergrund. Dieser quirlige Herr entpuppte sich als Helmut Schleich, der sich daraufhin mit Michi Altinger einen herrlich witzigen Dialog lieferte. Und schon war man mittendrin im Jubiläums-"Kom(m)Postler"-Abend, der unvergesslich bleiben wird.

Auf Altinger und Schleich folgte Luise Kinseher, die sich in ihrer unnachahmlich komischen Art vorstellte als Susi Ott, die in Fernsehsendungen schon 175 Mal den Part der Leiche übernahm - Anfang und Ende einer erträumten Hollywood-Karriere.

Vor und nach der Pause hatten Helmut Schleich und Michi Altinger ihre großen Soli. Schleich mit seinen unzähligen Grimassen und ständig wirbelnden Gesten, mal als Franz-Josef-Strauß-Zerrbild, mal als einsamer Alkoholiker, der sich nach einer harmonischen Beziehung sehnt.

Und Altinger lebte danach auf, profitierte von der tollen Stimmung im "Postsaal", improvisierte, zog alle Register seines anspruchsvollen kabarettistischen Könnens - und die 220 Besucher im "Postsaal" zogen mit. Jubelrufe und Standing ovations für Altinger ebenso wie für Schleich und Kinseher.

Was Wolfgang Trende zu Beginn als Wermutstropfen bezeichnete, wurde zur wunderbar passenden Ergänzung zum erstklassigen Kabarett. Für den erkrankten Manfred Kempinger konnten nämlich die Giesinger Sautreiber verpflichtet werden, die weit mehr waren als bloßer Ersatz. Tolle Instrumentalisten, Mundart-Witz und Mitsing-Lieder, die vom aufgeschlossenen Publikum dankbar aufgenommen wurden. Bei soviel Qualität und Abwechslung verging die Zeit unbemerkt. Als die Künstler nach einem stimmigen Finale die Bühne verließen, war's fast Mitternacht. Doch wohl niemand hatte bis dahin auf die Uhr geschaut.

So macht Kabarett Spaß in Frontenhausen! Hochklassige Kleinkunst, die immer wieder den Weg findet in die "Provinz", auf die Bühne des "Postsaals". Und so darf man sich schon heute auf den nächsten Termin freuen, wenn am 25. Oktober der österreichische Liedermacher Tom Haydn seine Visitenkarte in Frontenhausen abgibt.




Auch "softe" Liedermacher können begeistern!

Tom Haydn präsentiert sich vielseitig und überaus unterhaltsam auf der Postsaal-Bühne


(he) "Was bleibt?" hatte Liedermacher und Chansonnier Tom Haydn sein Programm bei den Kompostlern überschrieben. Die Antwort fällt uneingeschränkt positiv aus: Ein nachhaltiger Eindruck über einen vielseitigen Künstler, der die Herzen der begeisterten Zuschauer und -hörer im ausverkauften Postsaal im Sturm erobert hatte.

Dabei ist die Kunst des Niederösterreichers eigentlich nicht dazu angetan, das Publikum in Euphorie zu versetzen. In feinem Zwirn, schwarzgekleidet wie die anderen beiden Musiker, steht er auf der Bühne und schickt seinen Liedern kurze G'schichten voraus. Anders als sein Chanson-Repertoire fallen diese Hinführungen überwiegend witzig aus. Der 34-Jährige berichtet vom alltäglichen Wahnsinn, mal mit Wiener Schmäh, erinnert sich pointiert an Erlebnisse seines Heimatdorfes, mal gestenreich, mal mit etwas derben Witzen. Dabei bleibt Tom Haydn immer Gentleman, Zoten und Klamauk sind ihm fremd. Tom Haydn hat Stil, ist facettenreicher, charismatischer Liedermacher und kein Entertainer um jeden Preis.

So ist auch sein Singen. Da schwingt viel Melancholie durch den Postsaal, viel Wehmut, Gänsehaut-Feeling, versetzt in träumerische Stimmung, doch kann er auch eine andere Seite zeigen mit Bitterkeit und Zynismus. Mit den Themen seiner Songs befindet er sich ganz in der österreichischen Tradition von Hirsch, Heller und Fendrich. Da geht's um dunkle Themen wie Tod, Sterben, Verluste; er nimmt das Gejammer seiner Landsleute aufs Liedermacherkorn und vernachlässigt natürlich auch das immergrüne Thema Liebe nicht.

Unterstützung hatte Tom Haydn an diesem Abend von zwei exquisiten Spitzenmusikern, die beide schon mit Größen der Schlager-, Rock- und Jazzbranche auf der Bühne oder im Studio gestanden haben. Joe Barnikel (Flügel) kam geradewegs von einem Tournee-Auftritt mit Konstantin Wecker. Und auf der Referenzliste von Norbert Nagel (Saxophon, Klarinette, Flöte) stehen Namen wie Peter Herbolzheimer, die RIAS-Bigband und Udo Lindenberg. Das Trio auf der Bühne wirkt jederzeit konzentriert und harmonisch im Zusammenspiel. Großen Applaus erhielten Barnikel und Nagel für ihr einfühlsam-jazziges Solo-Zusammenspiel an Flügel und Saxophon.

Minutenlanger Beifall und die obligatorischen Zugaben zum Finale des knapp zweieinhalbstündigen Konzerts. Sicherlich niemand aus dem Publikum hatte an diesem Abend sein Kommen bereut. Wenn auch Tom Haydn nicht d e r zugkräftige Name war, hatten die Zuschauer und Zuhörer doch mit Recht darauf vertraut, dass die Kompostler nur mit viel Sorgfalt ausgesuchte Spitzeninterpreten auf die Bühne des Postsaals holen.