2000 - Ist Kultur ein Lebens-Mittel?


Fulminanter Höhepunkt der Gastspielreihe im Frühjahr 2000 bildete die Vorstellung der "Lach- und Schießgesellschaft" mit ihrem Programm "Deutsch mit Schuss". Es war, wie Kommpostler und Zuschauer gleichermaßen resümierten, eine Darbietung der Spitzenklasse. Alles stimmte: die Texte, die Lieder, feinsinnige Satire, die temporeiche und gekonnte komödiantische Darstellung. So lustig und zugleich tiefschürfend werden aktuelle politische wie gesellschaftliche Probleme derzeit selten auf Kleinkunstbühnen angeschnitten.

Lobeshymnen daher für Simone Solga, Hans-Jürgen Silbermann, Michael Eberle und Klaus Peter Schreiner, dessen Suche nach der verlorenen Würde eines Gealterten wohl keiner der Zuschauer vergessen wird ("Es ist schon ein Kreuz, oft sogar ein rotes"). Bubi Scholz - Gott hab' ihn selig - lässt grüßen. Wortmüll, Menschenmüll, Politmüll - mit köstlicher Wortklauberei wurde im Postsaal getrennt, was nicht in deutsche Tonnen passt. Stolz machte es die Kommpostler schon, dass dieser Auftritt der Lach- und Schießgesellschaft der einzige auf Niederbayerns Kleinkunstbühnen war.


Dieses Gastspiel der Lach & Schieß kann man durchaus als Anerkennung werten, ebenso die vielen Nachfragen von noch unbekannten und renommierten Kabarettisten bzgl. Auftritt im Postsaal. Warum gerade bei den Kommpostlern in Frontenhausen?

Antwort: die Mischung macht's! Wissen, Herz und Seele in einer Symbiose, bei den Mitgliedern und den jeweiligen Künstlern. Und schließlich die Erkenntnis: Kultur wird immer wirtschaftlich bleiben. Aber sie ist eben mehr als wirtschaftlich, sie ist wesentlich. Und somit durchaus ein Lebens-Mittel. Denn nur wo (Kabarett-) Kultur ist, lässt sich Schwachsinn ertragen. Blick ins Fernsehprogramm, so manche Stammtischgespräche reichen als Beleg.


Kritik vom Vilstalbote:

Frontenhausen

Klasse Kabarett begeistert Publikum im "Postsaal"

Simone Solga präsentiert sich wandlungsfähig und vielseitig / Demnächst auch im Fernsehen

(he) Die Bühnenausstattung ist karg, eine einzige Umzugskiste. Die restliche Wohnungseinrichtung ist verpackt und schon auf dem Weg vom Münchner Vorort in Richtung Rosenheim. Zeit, inne zu halten, sich auf die letzte Kiste zu hocken und das bisherige Leben Revue passieren zu lassen. Und das macht Simone Solga gekonnt - so am vergangenen Donnerstag in Frontenhausen. Auf Einladung der Kommpostler gastierte die junge Kabarettistin mit dem riesen Talent im "Postsaal" und dachte nach - und zwar laut. Über Beziehungen, Amtsleiter, Zusammenleben, Besitzstand, Neuanfänge, über Verlustängste, Selbstständigkeit, Einsamkeit und Identität.

Dann schlüpft sie ohne sich umzukleiden in andere Rollen. Dann ist sie die Nachbarin Manzoni mit dem unverkennbaren ostdeutschen Akzent oder noch besser: ihre aus Russland stammende Großmutter mit dem betonten osteuropäischen rollenden "Rrrrr", die nonchalant die (imaginäre) Zigarette in der Hand hält, Enkelin Simone mit Tipps versorgt und an die Nach-Stalin-Ära zurückdenkt. "Diese Frau ist ein Rollenwunder", lobte denn auch kürzlich eine Mainzer Zeitung.

Das alles bringt Simone Solga mit verschiedenen Tempi auf die "Postsaal"-Bühne, mal Kalauer auf Kalauer, mal nachdenklich und versonnen. Dass sie zwischendurch ein Lied singt zur Musik aus der Konserve, von rotzigfrech bis zum Ohrwurm-Song, der ihre ansprechenden gesanglichen Qualitäten offenbart, macht das Programm und Solodebüt "Ich pack's" äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Zweieinhalb Stunden - inklusive Pause - die wie im Flug vergingen.

Mit der Kabarettistin Simone Solga haben die Frontenhausener Kommpostler einen Glücksgriff getan. Vier Jahre gehörte die gelernte Buchhändlerin zum Essemble der "Leipziger Pfeffermühle" und hat in den vergangenen Jahren die Lach- und Schießgesellschaft ganz entscheidend mitgeprägt.

Mit Tempo, Dynamik und viel Ausstrahlung zog sie die 160 Besucher im "Postsaal" schnell in ihren Bann. Eine Beziehung übrigens mit Wechselwirkung. Denn nach dem Auftritt äußerte sich Simone Solga zum "Vilstalbote" überaus positiv über die Atmosphäre im "Postsaal" und das Frontenhausener Publikum, das mit ihren Geschichten viel habe anfangen können. "Ganz besonders habe ich mich über den Kabarett-Preis "Die Vilslaus" gefreut", bekannte die 38-Jährige ihre Freude über den ersten Preis dieser Art in ihrer Laufbahn, der ihr auf der Bühne vom Chef der Kommpostler, Wolfgang Trende, überreicht wurde.

Möglicherweise haben die Frontenhausener den Beginn einer großen Karriere live mit erlebt. Denn schon bald wird Simone Solga auf dem Fernsehbildschirm als Frau Hoppenstedt in einer Loriot-Verfilmung und in einem Gastspiel bei "Sieben Tage, sieben Köpfe" zu sehen sein.