1998 - Extraklasse bei den Kommpostlern

150 Bewerbungen für ein Gastspiel von Dieter Hildebrandt lagen der Agentur vor. "Nach Frontenhausen muss ich unbedingt"- dieser Ausspruch von D. Hildebrandt war der Schlüssel für einen frühen Auftrittstermin bei den Kommpostlern. So konnten im wiederum ausverkauften Postsaal 220 Zuschauer die Lesung aus dem neu erschienen Buch "Gedächtnis auf Rädern" genussvoll miterleben.

Denn es war mehr als "nur" eine Lesung! Mal ernst, mal heiter, wie eben das Leben so ist, mal etwas sprunghaft, wie das Leben halt auch ist und unvermeidbar, wenn so ein Leben, das inzwischen 71 Jahre währt, in Episoden erzählt wird. Ein wahrer Dieter Hildebrandt-Abend!


Was ist das doch für ein Kabarett-Künstler, dieser Bruno Jonas! Der Mann hat Nerven und vor allem Charme, geradezu rattenfängerische Energien! Welche Freude, diesen improvisationswütigen, charismatischen wie grundsympatischen Künstler mit der ihm eigenen Höchstleistungs-Rhetorik auf der Postsaalbühne zu erleben! "Ich alter Ego" heißt sein neues Solo-Programm, bei dem Bruno Jonas, seine Identität suchend, mit dem Publikum und dessen Fähigkeit, ihn zu verstehen, Achterbahn fährt. So läuft er auf der Bühne (nur zwei Stühle dienen als Bühnenbild) hin und her, vor und zurück - ebenso sprunghaft seine Scherze und Pointen.

"Eine Identität zu wechseln ist für mich kein Problem", bekennt er. "Der moderne Mensch ist multipel, er heißt Gerhard Schröder." An anderer Stelle heißt es im Programm: "Ägypten hat Pyramiden. Niederbayern hat Erker. Da gibt es Baugebiete, da hängt an jedem Haus wie eine Pestbeule ein Erker. Der Niederbayer erkert gern." (Anmerkung: Wer's nicht glaubt, sollte mal durch Frontenhausens Neubaugebiet spazieren.) Am Ende seines Programms macht Bruno Jonas sogar aus dem begeisterten Publikum einen durchaus akzeptablen Mitspieler in Form einer Rhythmusgruppe. Anscheinend mühelos gelingt ihm das! Folge: Seligkeit breitet sich über einen sehr gelungenen Vorpremierenabend aus!


Die Gastspielserie der Kommpostler zu toppen - unmöglich!? Nur vier Tage nach dem glanzvollen Auftritt von Bruno Jonas gastierte im Postsaal Konstantin Wecker. "Standing ovations für den Künstler" - so etwas gab es bei den vorausgegangenen 22 Kleinkunstabenden der Kommpostler noch nie!

Aber die Begeisterung für den "besten Wecker, den es je gab", benötigte halt eine besondere Ausdrucksmöglichkeit - stehenden Applaus! Und diesen hat sich Konstantin Wecker mehr als verdient. Denn trotz aller persönlichen Niederschläge und Anfeindungen verstand es K. Wecker, das Publikum zu fesseln, aus Zuhörern begeisterte Verbündete zu machen. Resümee: Konstantin Wecker hat gezeigt, dass er wieder voll da ist - vital und selbstbewusst, stimmgewaltig, pathetisch, selbstironisch. Er schafft es als einziger in deutscher Sprache, lyrisch und musikalisch zu brillieren. Ein wundervoller, unvergesslicher Abend für die Zuschauer/Zuhörer, K. Wecker und die Kommpostler, die dem Künstler den Kleinkunstpreis die "Vilslaus", ein Brechtbuch, Blumen und einfühlsame Worte mit auf den Weg gaben. So schrieb K. Wecker dem Vorstand Wolfgang Trende in ein "K. Wecker Buch" folgende zweite Widmung, die erste stammte von 1988 als Wecker in Dingolfing gastierte:

"Nach 10 Jahren - vielen Dank für Deine Treue, Deine Einladung und Deine wundervolle Rede."

"Ich komme wieder", rief Konstantin Wecker dem Publikum zu. Die Kommpostler hoffen auf Weckers sowie auf Ihre Wiederkehr. Auch wenn in der kommenden Kabarettsaison zuweilen noch unbekanntere Künstler im Postsaal gastieren - gut sind sie allemal. Denn die Kommpostler glauben an die Vereinbarkeit von guter Unterhaltung und Qualität.