1996 - Das Gastspielprogramm im Einzelnen


Die Kommpostler feierten ihr 5-jähriges Bestehen und luden zurecht Dietrich Piano Paul dazu ein. Pauls Parodieklassiker "Happy Birthday to you" war an den Anfang des Kabarettabends gestellt, für den Piano Paul und die Kommpostler Lobeshymnen ernteten. So bot Piano Paul Kabarett vom Feinsten, traf ins Schwarze, und dies nicht nur bei den Tasten, präsentierte sich als brillianter Hand- und Mundwerker.


Der Nachwuchskünstler nützte die Medienrealität zum gekonnten kabarettistischen Rundumschlag. S. Bauer schlüpfte in verschiedene Rollen, imitierte, zitierte, parodierte und schockierte. Zwei Stunden kabarettistischer Fernsehspaß im Postsaal - mit Ironie und ohne Tabus. Das Publikum war jedenfalls überwiegend von dem Stimmen- und Musiktalent Stephan Bauer begeistert. Er scheute sich nicht, den Zuschauern einige Geschmacklosigkeiten zu servieren, die im Fernsehen an der Tagesordnung sind. Und genau die hat auf der Kleinkunstbühne der Kommpostler nichts zu suchen.

Geschmacklosigkeit, ein Erkennungszeichen der jüngeren Kabarettistengeneration? Geschmacklosigkeit als ästhetische Kategorie, als notwendiger, provozierender Denkanstoß? Die Mitte von Geschmackvollem und Geschmacklosem ist die Langeweile.


Bruno Jonas hielt was er versprach. Von der ersten Minute an vermittelte er dem Publikum das Gefühl, dass es für ihn keinen schöneren Arbeitsplatz gibt als eine Bühne. Wenn diese auch an diesem Abend vorwiegend "nur" für eine Lesung genutzt wurde. Aus seinem neu erschienenen Buch "Es soll nie wieder vorkommen" rezitierte Jonas witzige, doch nachdenkliche Texte, sprach vielen aus der Seele und hielt uns den Spiegel vor.

Ein Gastspielabend, der gutes Kabarett zu bieten hatte und auf dessen Zustandekommen die Kommpostler zurecht stolz sein konnten, vor allem auch deswegen, da Künstler, Publikum und Kommpostler wiederum harmonierten und die gewohnt herzliche Atmosphäre entstand.


"Kabarett im Dreierpack" - ein kontrastreiches Gastspielprogramm, das Solokabarettist Konrad Ritzinger, die Les DerHos'n und das Männerquinntett Jacqueline Kroll servierten.

Der Ü-Wagen vor dem Postbräu machte die Bevölkerung neugierig, jedoch Eintrittskarten für diesen Kleinkunstabend gab es schon lange nicht mehr. In Rekordzeit (20 Minuten) war der Postsaal ausverkauft.


Fazit des Kleinkunstabends: vom Feinsten, großartige Künstler, hervorragendes Publikum und noch ein toller Erfolg für die Kommpostler.


Sie zeichneten die Künstler mit der "Kom(m)Postler-Vilslaus" aus, doch hatte die Kabarett-Redakteurin des Bayerischen Rundfunks Gabriele Engelt für die Kommpostler selbst eine besondere Auszeichnung parat: den "Kabarett-Oscar"!


Bravo, Ihr Kommpostler, und weiter so!